SchauspielerInnen lernen ihre Rollen in Bewegung und unterstützt durch Bilder

In einer Befragung von SchauspielerInnen durch Eva Maria Ortmayr (2021) zeigte sich, dass für alle die Bewegung beim Lernen eine bedeutende Rolle spielt. “Wenn sie den Text schon beherrschen und kein Textbuch mehr benötigen, wiederholen sie den Text je nach Lernumgebung laut oder leise im Gehen, beim Rudern oder auch im Fitnessstudio. „Der Text geht über den Körper, über die körperliche Bewegung in den Geist“ (…). Die Bewegung wird mit der rhythmischen Gliederung in Verbindung gebracht und erhöht die Behaltensleistung” (S. 128). “Alle Befragten gaben an, dass sie gerne in der freien Natur lernen. „Am besten, hab ich festgestellt, ist Lernen in der freien Natur, beim Spazierengehen. Wenn das Gehirn sauerstoffdurchblutet ist, geht der Prozess des Lernens viel, viel schneller“ (…). Die Natur als Lernort wird immer in Zusammenhang mit Bewegung genannt, ein Proband lernt am liebsten beim Rudern. Aus den Aussagen ergibt sich auch, dass die Natur erst aufgesucht werden kann, wenn sie das Textbuch nicht mehr benötigen. Sie wenden hier vor allem die Strategien Mnemotechnik und artikulatorische Enkodierung an” (S. 142f).

Für die Mehrzahl von SchauspielerInnen stellt die optische Wahrnehmung zusätzlich zur akustischen Wahrnehmung eine bedeutende Komponente im Lernprozess ihrer Rollentexte dar: “Anders als bei der dualen Kodierung, wo Worte mit Bildern verknüpft werden, beziehen sich externe Visualisierungstechniken auf die Gestaltung des Textbuches, wobei dem Schriftbild (12 Nn; 75 %) eine zentrale Bedeutung beigemessen wird. „Dass Text mit Visuellem was zu tun hat, das merkt man, wenn man in einer frühen Phase des Textlernens innerlich immer umblättert“ (…). Die Befragten geben an, dass sie den Text geistig fotografieren und sich erinnern können, an welcher Stelle genau der Satz im Buch steht. Sie legen auch Wert darauf, dass „es was gleichschaut“ (…) und formatieren sich den Text im Bedarfsfall selbst noch einmal. Vier Befragte schreiben „die Texte von Hand, damit sie in den Körper gehen, von der Schrift in die Zunge“ (…)”. (…) Einige gaben auch an, “dass beim Durcharbeiten des Textes Bilder entstehen, die sich aus Assoziationen spontan einstellen oder in Form von Bildbrücken mental konstruiert werden. Diese Bilder sind Bestandteil des „inneren Parcours“ und unterstützen die Reproduktion des Textes” (Ortmayr, 2021, S. 130f).

Literatur

Ortmayr, Eva Maria (2021). Zur Planung und Durchführung von Lernprozessen am Beispiel von Schauspielern. Eine empirisch-qualitative Untersuchung. Dissertation. Universität Potsdam.
WWW: https://publishup.uni-potsdam.de/frontdoor/index/index/docId/49953 (21-04-12)





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