Studien legen nahe, dass Informationen, die man per Hand niederschreibt, viel tiefer in das Gehirn eingeschrieben werden, als wenn man dafür eine Tastatur benutzt. Viele bevorzugen die Tastatur wegen der größeren Leserlichkeit und der größeren Geschwindigkeit solcher Notizen. Allerdings ist genau dieser Aspekt, der das Schreiben mit der Hand so mühsam macht, auch der große Vorteil, denn die Bewegungen beim Schreiben haben mit bestimmten Arealen im Gehirn zu tun, die direkt mit Arealen, die mit Emotion und Gefühl zu tun haben, verbunden sind. Nur Tippen, also einzelne Tasten zu drücken, aktiviert diese Bereiche nicht, denn nur die vielen kleinen Bewegungen, die man beim Schreiben ausführt, sorgen dafür, dass man bedächtiger und fokussierter ist. Beim Mitschreiben etwa in einer Vorlesung achtet man auch viel eher darauf, was genau gesagt wird und was wirklich wichtig ist, denn die Informationen werden dabei direkt verarbeitet und in eigenen Worten formuliert und festgehalten, sodass man von Hand Geschriebenes auch besser behält als Getipptes.

Die eigene Handschrift ist für die meisten Menschen etwas Alltägliches, über das sie selten nachdenken, und doch begleitet diese Menschen ein Leben lang. Wesentlich für eine Handschrift ist die Schreibmotorik, also die feinen Bewegungen, die man mit einem Schreibgerät wie Bleistift, Kugelschreiber, Füllfeder oder Pinsel in der Hand auf einem Blatt Papier ausführt, um damit Schriftzeichen zu erzeugen. Dabei kommt es zu einem koordinierten Zusammenspiel verschiedener Körperteile, denn so ermöglichen etwa der kleine Finger und feine Handgelenksbewegungen die Ausgestaltung der Schrift in der Höhe und Breite. Aber auch kleine Bewegungen aus dem Arm und der Schulter kommen beim Schreiben zum Einsatz, oft durch die Sitzhaltung noch eine Interaktion von Hüften, Gelenken und insgesamt mehr als dreißig Muskeln. Im Gehirn werden während des Schreibens etwa zwölf Areale aktiviert, z. B. jene, die die Wahrnehmung, die Verarbeitung von Informationen und die motorische Ausführung steuern. Neurowissenschaftliche Studien haben auch belegt, dass durch das Handschreiben Kinder wie auch Erwachsene besser lesen lernen, sich besser Faktenwissen merken und ein besseres Verständnis für einen Inhalt erlangen, wobei vor allem für konzeptionelle Prozesse das Schreiben mit der Hand wichtig ist. Demnach ist handschriftliche Schreiben wichtig für alle kognitiven Fähigkeiten und für Menschen jeden Alters. Übrigens geht es nicht darum, schön zu schreiben, sondern flüssig und lesbar zu schreiben, wobei es für eine bessere Lesbarkeit meist genügt, etwa langsamer und mit dem richtigen Rhythmus zu schreiben. Die eigene Handschrift entwickelt sich sehr früh oft schon im Kindergarten, denn die Mehrheit der Kinder beginnt mit vier Jahren, den eigenen Namen zu schreiben, und ab Ende der vierten Klasse sollten Kinder in der Lage sein, flüssig und lesbar zu schreiben. Das Schreiben automatisiert sich dann mit etwa 16 Jahren, denn ab diesem Zeitpunkt muss man sich nicht mehr in erster Linie auf das visuelle Erscheinungsbild der Schrift konzentrieren. Menschen könnten ab diesem Alter mit verschlossenen Augen schreiben, weil das zu Schreibende bereits im Gehirn vorgeschrieben ist, sodass beim Schreiben auch mehr Kapazität für die Kreativität bleibt.
Literatur

Stangl, W. (2021). Stichwort: ‘Grafomotorik’. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/25267/grafomotorik/ (2021-01-25)