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Auswendiglernen ist während des Studiums hinderlich

In der Schule wird den Schülern – systembedingt – leider eine ungünstige Lernkultur vermittelt. Phasen der Behandlung des Stoffes werden durch kleinere oder größere geplante Wissenstests unterbrochen. Dabei kann es sich um kurze, schriftliche Überprüfungen oder um Klassenarbeiten handeln, die den Inhalt mehrerer Wochen Unterricht abdecken. Wahrscheinlich verfolgt die Mehrheit der Schüler die Lernstrategie, sich kurz vor Beginn der Prüfung so viel Stoff wie möglich einzuprägen. Diese Form des Lernens bringt den Stoff allenfalls in das flüchtige Kurzzeitgedächtnis, was für ein flüchtiges Abrufen während einer Prüfung ausreichen kann – solange der Inhalt nicht zu weit von der eigentlichen Prüfung entfernt ist. Dies führt jedoch zu Problemen, die mindestens zwei Formen annehmen: Zum einen sind die auf diese Weise „gelernten“ Inhalte nur von kurzer Dauer, werden schnell aus dem Kurzzeitgedächtnis gelöscht und müssten bei einer späteren Prüfung zum gleichen Thema erneut geprobt werden. Zum anderen entsteht durch den Übergang zum nächsten Thema des Unterrichtsplans auch eine kognitive Pause: Das soeben Verinnerlichte ist nicht mehr relevant, da durch das Ausbleiben weiterer Tests keine Angst mehr vor einer schlechten Note besteht. Damit einher geht eine sehr unnatürliche und thematisch abgehackte Form des Lernens, die dem anschlussfähigen und kontextsuchenden Lernen, das sich wahrscheinlich durch mehr Erfolg auszeichnet, zuwiderläuft. Aber gibt es nicht eine Lösung, die besser geeignet ist, den Stoff dauerhaft ins Langzeitgedächtnis zu bringen? Ja, und sie heißt „spaced repetition“.

Nur „spaced repetition“ macht fit für das Lernen an der Universität

In der Schule mag es noch funktionieren, aber spätestens bei lernintensiven und thematisch immer schwieriger werdenden Studiengängen stößt das kurzfristige, separate Auswendiglernen an seine Grenzen. An der Universität ist es notwendig, komplexe Sachverhalte mit dem Wissen aus vorangegangenen Semestern, Seminaren und Vorlesungen anzureichern, zu verstehen und zu analysieren. Hier kommt die bereits erwähnte „verteilte Wiederholung“ ins Spiel. Die Grundlage ist die Wiederholung des Lernstoffs. Kurz zum Konzept des Lernstoffs selbst: Am einfachsten lässt sich das System mit Vokabeln einer Fremdsprache umsetzen. Auf der Vorderseite einer Karteikarte steht ein Wort in der Ziel- oder Muttersprache, auf der Rückseite die Entsprechung in der anderen Sprache. Im Prinzip können aber auch andere Themen gelernt werden, indem Fragen und Antworten auf die Vorder- und Rückseite einer Karteikarte gesetzt werden. Der Karteikasten ist in mehrere Fächer unterteilt, wobei alle Karteikarten zunächst in das vordere erste Fach gelegt werden. Wenn Sie die „verteilte Wiederholung“ nutzen wollen, lesen Sie zunächst nach und nach die Vorderseite der Karten, beantworten sie innerlich und vergleichen sie mit der richtigen Antwort auf der Rückseite. Wenn Sie richtig liegen, stecken Sie die Karte in das nächste Fach, d. h. in die nächste Phase. Wenn Sie falsch liegen, wird die Karte ein Fach zurückgelegt, wenn sie sich nicht mehr in der ersten Phase befindet. Jeden Tag arbeitest du dich durch das Kartenfach, aber du musst nicht immer alle Fächer durcharbeiten. Je höher die Fächer sind, desto seltener werden die Karten in ihnen wiederholt. Hier macht man sich den so genannten „Abstands-Effekt“ zunutze. Diesem Phänomen zufolge werden Inhalte besser im Gedächtnis verankert, wenn sie über längere Zeiträume hinweg gelernt und wiederholt werden. Dies steht im Gegensatz zum intensiven Lernen über einen kurzen Zeitraum, wie es typischerweise vor Prüfungen geschieht. Beim System der „spaced repetition“ werden schwer zu merkende Inhalte häufiger wiederholt, während einfache Inhalte den Lernfluss nicht durch unverhältnismäßiges Auftreten blockieren. Zwar gibt es inzwischen digitale Lösungen für Computer und Smartphones, die Ihnen die Kontrolle der Zeitabstände abnehmen, dennoch ist es aus lernpsychologischer Sicht vorteilhafter, Karteikarten zu verwenden, auf die man zugreifen kann, da diese das Lernen in Bezug auf die Motorik bei der Vorbereitung und Aufnahme neuer Inhalte erleichtern. Mit einem Karteikasten erreichen Sie schnell eine neue, effizientere und effektivere Form des Lernens, bei der alte Inhalte auf neue Inhalte treffen und synaptisch verknüpft werden können. Probieren Sie es bei der nächsten Fremdsprache oder in Ihrem Studium aus, es wird sich lohnen.

Extra-Tipp: Sie können auch einige Karteikarten aus dem ersten Fach zusammen mit einem Gummiring aufbewahren und als Begleiter im Alltag mitnehmen. So kannst du zum Beispiel während der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Warten an der Supermarktkasse einige Lernkarten durcharbeiten. Sehen Sie sich diesen Lerntipp „Karten auf dem Ring“ an.




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