Intelligenz und Übung für den Erfolg notwendig

In einer Längsschnittstudie, in der Schachspieler während ihrer gesamten Karriere verfolgt wurden, zeigten Vaci et al. (2019), dass sowohl Intelligenz als auch Übung den Erwerb und die Erhaltung von Schachfertigkeiten positiv beeinflussen. Dabei gibt es eine nichtlineare Beziehung zwischen den beiden Faktoren, dass nämlich intelligentere SpielerInnen mehr von der Übung profitieren, denn mit dem gleichen Maß an Übung erwarben sie schneller Schachfertigkeiten als weniger intelligente Spieler und erreichten eine höhere Leistung in Form von ELO-Punkten. Etwa fünfzig Prozent der Leistung von Schachspielern erklärt sich dabei durch die Kombination von Übung und Intelligenz, während die andere Hälfte durch Persönlichkeitsmerkmale, etwa Ausdauerfähigkeit, Motivation und emotionale Kompetenz zustande kommt. Wie in anderen Sportarten ist auch das Alter, ab dem jemand mit dem Schachspiel begonnen hat, dafür bedeutsam, um ein Schachmeister oder eine Schachmeisterin zu werden. Oft wird übrigens angenommen, dass das räumliche Vorstellungsvermögen bei Schachspiel eine wichtige Rolle spielt, weil man sich das Schachbrett für weitere Zugmöglichkeiten besser vorstellen kann, doch es zeigte sich, dass die Repräsentationen der Schachspieler abstrakt und eher zweidimensional sind. Wichtig ist allerdings die numerische Intelligenz,  denn je besser jemand rechnen kann, desto größer ist der Vorteil beim Schach. Diese Ergebnisse sind vermutlich auch auf andere Fertigkeiten übertragbar, etwa auf das Erlernen eines Musikinstruments oder eines Sports, wobei dann musikalische Begabung bzw. psychomotorische Fähigkeitenhinzukommen müssen.

Literatur

Vaci, Nemanja, Edelsbrunner, Peter, Stern, Elsbeth, Neubauer, Aljoscha, BilaliÄ, Merim & Grabner, Roland H. (2019). The joint influence of intelligence and practice on skill development throughout the life span. Proceedings of the National Academy of Sciences, doi:10.1073/pnas.1819086116.